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Mit stehenden Ovationen wurde Landrat Helmut Petz nach der letzten Kreistagssitzung unter seiner Leitung verabschiedet. Redner der Fraktionen würdigten seine Leistungen in der sechsjährigen Amtszeit, die von großen Herausforderungen wie der Corona- oder der Energiekrise geprägt war. Dazu, diese zu meistern, trug die auf Kooperation und Ausgleich bedachte Arbeitsweise des Landrats maßgeblich bei.
„Der Landkreis war bei dir stets in guten Händen“, bescheinigte der stellvertretende Fraktionschef Rupert Popp, der für die Freien Wähler sprach. Er hob hervor, dass sich der Ruf des Freisinger Klinikums wesentlich verbessert habe. Petz war als Landrat auch Vorsitzender des Aufsichtsrats des Klinikums. Weitere Verdienste seien die Aufarbeitung der fehlenden Jahresabschlüsse, die Investitionen in die Schullandschaft und der Kampf gegen die dritte Startbahn gewesen. Andere Redner würdigten die Menschlichkeit, den großen Arbeitseinsatz und das Engagement des scheidenden Landrats sowie das konstruktive Miteinander in den Kreisgremien. Dass 95 Prozent der Beschlüsse im Kreistag und den Ausschüssen einstimmig getroffen worden waren, darauf war er stets sehr stolz.
Im März 2020, kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie hatten die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Helmut Petz zum Landrat gewählt. Politisch war er ein unbeschriebenes Blatt, konnte aber mit seiner juristischen Kompetenz als Richter am Bundesverwaltungsgericht und seiner Verwaltungserfahrung punkten. Letztere hatte er sich unter anderem als Leiter der Bauabteilung im Landratsamt Freising erworben, zu Zeiten von Landrat Manfred Pointner. Pointners Idee war es auch, seinen ehemaligen Mitarbeiter und langjährigen Freund, mittlerweile Bundesrichter in Leipzig, zu einer Kandidatur zu bewegen. Es ein letzter genialer Schachzug des 2023 verstorbenen Grandseigneurs der Freien Wähler im Landkreis. Denn so gelang es, einen Landrat ins Amt zu bringen, der die richtigen Weichenstellungen vorgenommen hat – zum Beispiel bei der Aufarbeitung der Kreisfinanzen. Seit der Umstellung von Kameralistik auf Doppik in der Haushaltsführung im Jahr 2010 hatte der Landkreis keine gültigen Jahresabschlüsse und somit keinen detaillierten Überblick über seine Vermögenswerte. Ein Missstand, bei dem Helmut Petz anpackte. Fachleute wurden engagiert, die in einem langwierigen Prozess der Bestandsaufnahme dafür sorgten, dass die ersten fertigen Abschlüsse 2025 vorgelegt werden konnte. Dass Landrat Petz die Aufarbeitung angestoßen hatte, drang bei diesem komplexen Thema in der öffentlichen Wahrnehmung leider nicht immer voll durch - vor allem wenn Schlagzeilen wie „Landkreis steht vor Finanzdebakel“ oder „Absolute Katastrophe im Landkreis“ zu lesen waren.
Am 8. März 2026 stellte sich Helmut Petz voller Zuversicht zur Wiederwahl, konnte er doch auf eine ansehnliche Erfolgsbilanz verweisen. Dennoch unterlag er in der Stichwahl. Ein Ergebnis, das schmerzt, das aber bei genauerer Betrachtung zu den übergreifenden Trends der Kommunalwahl 2026 passt. Es gibt keine „gmahden Wiesn“ und keinen Amtsbonus mehr. Quer durch ganz Bayern wurden Amtsinhaber in Landratsämtern und Rathäusern abgewählt. Jahrzehntelange Hochburgen sind gefallen. Viele junge Kandidaten haben sich durchgesetzt - davon haben die Freien Wähler in zahlreichen Fällen profitiert. Für Helmut Petz bedeutete das leider, dass er seine engagierte Arbeit nicht fortsetzen kann.
In der letzten Kreistagssitzung wurden zahlreiche langjährige Kreisräte aus den Reihen der Freien Wähler verabschiedet: Der Fraktionsvorsitzende Rainer Schneider gehörte dem Gremium 30 Jahre lang an, ebenso wie Bezirksrätin Marianne Heigl. Rupert Popp 24 war Jahre lang dabei. Jeweils 18 Jahre vertraten der ehemalige Vize-Landrat Robert Scholz, Heino Pause und Hans Sailer die FW im Kreistag.
Fotos: Landratsamt Freising